Wer sich die derzeit im Düsseldorfer Kunstverein gezeigten Photos ansieht, wird sich ihrer Sogwirkung kaum erwehren können. Manche Bilder sind Fenster, durch die man hinausstürzen kann. So öffnet sich die Welt des Ansel Adams: eine Natur von unfaßbarer Schönheit und Fremdheit. Der Künstler steigert die Felsbrocken einer Steinwüste zur prähistorischen Volksversammlung.
Adams, der überwiegend Landschaftsaufnahmen schuf, gehörte zur Künstlergruppe "f/64". Photofreunde wird diese Zahl elektrisieren. Ein Objektiv mit der Blende 64 erzeugt beinahe unendlich scharfe Photos. Der in Armlänge entfernte Zweig wird ebenso präzise abgebildet wie die Bergkuppe am Horizont.
Nicht nur die Aufnahmetechnik imponiert. An Schattierungen stehen seine Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Farbphotographie nicht nach, Komposition und Lichtführung steigern das Motiv dramatisch.
Nachdem die künstlerische Photographie langezeit versucht hatte, entweder Malerei nachzuahmen oder die Realität zu verfremden, wählte Adams den entgegengesetzten Weg. So scharf wie seine Kamera sieht kein Auge. Erst beim Betrachten seiner Photos wird klar, wie trügerisch die menschliche Wahrnehmung ist.
Bislang unpubliziert. Geschrieben am 7.10.1993
Christoph Danelzik-Brüggemann
letzte änderung: 26.2.1997